6.500 Besucher in einem Jahr

Tisch & Teller zieht Bilanz nach einem Jahr

6.500 Besucher in einem Jahr. Das ist die stolze Bilanz des Flörsheimer Gebrauchtwarenmarktes „Tisch und Teller“. Agim Kaptelli vom Diakonischen Werk Main-Taunus freut sich über den guten Start des Gebrauchtwarenmarktes, den das Diakonische Werk in enger Zusammenarbeit mit dem Main-Taunus-Kreis betreibt. Der Tagesumsatz von 550 Euro reiche zwar noch nicht aus, alle Kosten abzudecken, aber durch die starke Förderung des Main-Taunus-Kreises, durch Bundesmittel, Gelder aus dem Diakonischen Werk und auch Kirchensteuern hofft Kaptelli in ein bis zwei Jahren alle Kosten aus dem Verkauf bezahlen zu können.

Die Kundschaft liegt teils unter der Armutsgrenze, zum Teil nur wenig darüber, teilt der Leiter des Diakonischen Werkes mit. Im vergangenen Jahr sind 520 Ausweise für Menschen ausgestellt worden, die Leistungen nach dem Sozialhilfegesetz erhalten. Und wer als bedürftig gilt, erhält einen zusätzlichen Rabatt von 25 Prozent. Viele scheuten sich ihre Bedürftigkeit prüfen zu lassen und die meisten anderen hätten einen eher kleinen Geldbeutel. Dickere Autos habe er aber auch schon vor der Tür stehen sehen. Eine gewisse Durchmischung der Kundschaft sei erwünscht. Und immer wieder gäbe es interessante Schnäppchen und Designerstücke.

Sozial sind nicht nur die Preise, sondern auch die Arbeitsgelegenheiten für 15 Langzeitarbeitslose. Sechs von ihnen haben bereits den Sprung in den Ersten Arbeitsmarkt geschafft. Außerdem gibt es sieben geförderte Arbeitsplätze, die der Kreis zu 75 Prozent aus Bundesmitteln bezuschusst. Joachim Werle vom Amt für Arbeit und Soziales des Main-Taunus-Kreises will die Mitarbeiterzahl auf 30 verdoppeln. Er bezeichnet den Gebrauchtwarenmarkt als „ideales Trainingsfeld unter realistischen Bedingungen“. Die Mitarbeiter identifizierten sich sehr stark mit „ihrem Gebrauchtwarenmarkt“. Man könne richtig sehen, wie die Menschen sich wieder stabilisieren. Gewiss schafften nicht alle den Sprung auf den Ersten Arbeitsmarkt, aber andere hätten hier die Möglichkeit einer sinnvollen Beschäftigung nachzugehen.

Der Einzugsbereich von Tisch & Teller reicht mittlerweile von Mainz bis Frankfurt und von Groß-Gerau bis Eppstein. Nach telefonischer Absprache wird die Ware bei den Spendern kostenlos abgeholt. Marktleiter Ulrich Levin lobt die gute Qualität der gespendeten Waren. Das Angebot sei riesig und es gäbe nichts was es nicht gäbe. Besonders gefragt sei immer die „Weiße Ware“ wie Waschmaschinen und Kühlschränke. Die Ware wird geprüft und gereinigt und ein marktgerechter Verkaufspreis mit Hilfe eines speziellen Computerprogramms ermittelt.

Für sein Konzept hat Tisch & Teller erst in diesem Jahr den Sozialpreis der Stadt Flörsheim erhalten. Ein auch handwerklich ausgebildeter Sozialpädagoge begleitet die Mitarbeiter bei ihrer täglichen Arbeit. Agim Kaptelli ist es wichtig, dass der Markt „Mehr als ein reines Kaufhaus“ ist, sondern auch „Lebensraum“. Auch deshalb gab es bereits eine Dichterlesung und zur Zeit eine Kunstausstellung mit Kunstwerken, die der Darmstädter Künstler Peter Kunkel aus gebrauchten Gegenständen entworfen hat.